Die ‚Historisches Paderborn-App‘ (HiP-App) ist ein auf mehrere Semester angelegtes interdisziplinäres und interfakultäres Forschungsprojekt im Bereich der Digital Humanities (Burdick, Drucker et. al. 2012).
Es wurde von Paderborner Mittelbau-Vertreter_innen aus der Informatik, der germanistischen Mediävistik und Linguistik, der Geschichte und der Kunstgeschichte entwickelt. Die HiP-App ist eine Anwendung für mobile Endgeräte, die auf ansprechende Weise detaillierte und fachlich sinnvolle
aufbereitete Materialien der Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte zur selbstständigen historischen Erkundung der Stadt Paderborn anbietet. Sie ist zugleich Forschungsgegenstand und Forschungsinfrastruktur, die durch ihren grundlegend evolutiven Charakter vielfältige Forschungsfragen erzeugt. Ihr interaktives Front-End, d. h. die für den Benutzer sichtbare Oberfläche, wird u. a. durch aktuellste Präsentationsformen historischer Artefakte im Bereich der Augmented Reality (der virtuell erweiterten Realität) so gestaltet, dass die Neugier der Nutzer_innen geweckt und durch eine veränderte Wahrnehmung des urbanen Umfelds eine Auseinandersetzung mit der Paderborner Stadtgeschichte und dem Kulturraum gefördert werden soll.

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Zentrales gemeinsames Forschungsanliegen ist es, in diesem Projekt anhand der HiP-App Methoden, Prozesse und Analysen im Bereich der Digital Humanities zu entwickeln. Forschungsgegenstand und Grundlage hierfür bilden Genese, Entwicklung, Betrieb und Pflege der HiP-App, aber auch die kritische Reflexion der Kopplung physischer und digitaler Räume mithilfe mobiler Apps, die von der menschlichen Körperorientierung ausgehend den städtischen Raum diachron lesbar machen. So sollen durch Analyse der Dateneingabe etwa auch Aspekte der Software-Usability und der Entwicklung multimodaler Kommunikationsformate in den Blick genommen werden. Bezogen auf die Front-End-Entwicklung stehen verschiedene Formen des epistemologischen Präsentmachens durch Visualisierung, auditive Aufbereitung und weitere empirische Anknüpfung durch materielle

Spurensuche auf dem Prüfstand. Die interdisziplinäre Kooperation lässt gleichzeitig Methoden der verschiedenen Disziplinen produktiv zusammenwirken. Entwicklung und Betrieb von Front- und Back-End finden aktuell in Form agiler Softwareentwicklung statt, in die die beteiligten Akteure aus den Kulturwissenschaften (insbesondere auch die Studierenden) fest eingebunden sind. Weitere Schwerpunkte liegen auf der leichten Nutzbarkeit von Technologien, beispielsweise einer einfachen Pflege der eingestellten Daten innerhalb eines Web-Back-Ends sowie einer flankierenden kulturwissenschaftlichen Reflexion der raumgenerierenden Potenziale neuer mobiler Systeme. Die Motivation des Projekts liegt somit auch darin, die aus der Informatik heraus entwickelten neuen

Formen der Überblendung und Verkopplung physischer, kartographierter und medialer Räume in ihren produktiven Momenten der Verräumlichung (Habscheid, Reuther 2013) und der historischen Narrativierung kulturwissenschaftlich und experimentell (Back-End-Editieren, Nutzerverhalten) zu begleiten.

Aktuell entwickelt eine studentische Projektgruppe der Informatik unter Leitung von Dr. Simon Oberthür Front-End und Back-End im intensiven interdisziplinären Austausch mit den

Kulturwissenschaftler_innen. In regelmäßigen Workshops und Arbeitsgesprächen wurden seit Herbst 2013 die fächerübergreifenden Forschungsfragen festgelegt, grundsätzliche Arbeitsaspekte diskutiert, ein gemeinsamer Arbeitsplan erstellt und die Anforderungen an die zukünftige App definiert. Im Sommersemester 2015 hat in mehreren kulturwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen die Erarbeitung des App-Contents begonnen. Die Studierenden werden dabei von Lehrenden der Kulturwissenschaft und der Informatik gemeinsam begleitet und betreut. Neben der klassischen universitären Wissensvermittlung kommt auch gezielt Mobile Learning zur Anwendung: Der Fokus liegt hierbei vor allem auf dem reflektierten Umgang mit digitalen Medien sowie der Gestaltung und Nutzung von Back-End und Front-End.