Im Sommersemester 2014 gestartet, zielt die interfakultäre und interdisziplinäre Kooperation darauf ab, mithilfe einer mobilen Anwendung die Geschichte Paderborns erleb- und erfahrbar zu machen. Und zwar direkt an Ort und Stelle des jeweiligen Bau- oder Kunstwerkes. Die einzelnen Stationen sind dabei in Form von Rundgängen organisiert. Aktuell werden bereits Touren zu den Oberthemen Liborius, Kaiser Karl der Große und Bischof Meinwerk von Paderborn sowie zu Straßen- und Ortsnamen erarbeitet. Das Projekt wurde von Mittelbauvertreter_innen der Universität Paderborn initiiert und umgesetzt: Dr. Markus Greulich (Germanistische Mediävistik), Dr. Nicola Karthaus (Geschichte), Dr. Simon Oberthür (Informatik), Ariane Schmidt M.A. (Kunstgeschichte), Björn Senft M.Sc. (Informatik), Kristina Stog M.A. (Germanistische Linguistik) und Jun.-Prof. Dr. Nicole M. Wilk (Germanistische Linguistik). Der Prototyp wird voraussichtlich im Mai 2016 vorgestellt werden.1

Eine weitere Besonderheit des HiP-App-Projekts ist, dass es Forschung, Lehre und Praxis miteinander vereint. Bereits im Anfangsstadium erlernen die Studierenden, selbstständig mit Forschungsthemen umzugehen, wissenschaftlich zu arbeiten, zu recherchieren, Daten aufzubereiten und sie zu präsentieren. Dabei bietet die Kooperation einen hohen Bezug zur Praxis. Auch ist die Entwicklung der Software an Prozesse in der Industrie angelehnt und bereitet die Studierenden damit exzellent auf ihre zukünftige Berufstätigkeit vor.

Die HiP-App ist ein interdisziplinäres Projekt der Fächer Germanistik, Geschichte, Informatik und Kunst der Universität Paderborn und wurde von Mittelbau-VertreterInnen des IEMAN (Institut zur interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens) entwickelt. Die Anwendung für mobile Endgeräte wird auf ansprechende Weise zeitgemäß aufbereitete Materialien zur selbständigen historischen Erkundung der Stadt Paderborn anbieten. Sie richtet sich besonders an junge Erwachsene. Das Frontend der App wird u. a. durch aktuellste Präsentationsformen im Bereich der Augmented Reality so gestaltet werden, dass es die Neugier der NutzerInnen wecken und eine weitere Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte und dem Kulturraum fördern soll.

Die Inhalte der App (u. a. Texte, Bilder) sollen durch Studierende der Universität Paderborn erarbeitet werden. Hierfür bieten die beteiligten geisteswissenschaftlichen Fächer im SoSe 2015 eigenständige fachspezifische Seminare zum Frühmittelalter an, in denen die Studierenden zunächst Informationen zu einzelnen Orten (Kaiserpfalz, Sakralbauten), zu Personen (Liborius) und zu Namen (Hellweg) systematisch und fachspezifisch erarbeiten. Nach dieser Arbeitsphase finden sich die TeilnehmerInnen in interdisziplinären Teams zusammen und entwickeln multisensuelle Portfolios zu fächerübergreifenden Schnittpunktthemen.

In einer Herbstakademie des IEMAN wird eine Auswahl der Materialien nochmals in ansprechender Weise komprimiert und aufbereitet. Schließlich sollen sie unter direkter Einbeziehung einer Arbeitsgruppe der Informatik (Leitung: Dr. Simon Oberthür) durch die ehemaligen SeminarteilnehmerInnen in das Backend der HiP-App eingespeist werden.

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Das interdisziplinäre Lehrprojekt richtet sich an Studierende der B.A.- und M.A.-Studiengänge und beschreitet neue Wege der Wissensaneignung und -vermittlung. Es wird die TeilnehmerInnen ebenso zu einem selbständigen produktiven Umgang mit Regionalgeschichte befähigen, wie zum eigenständigen wissenschaftlichen Umgang mit Fachliteratur. Durch die Interdisziplinarität wird es innerhalb der Teams zu einem regen Methodenaustausch kommen. Dies soll auch die Kommunikationsfähigkeit der TeilnehmerInnen in heterogenen Gruppen schulen – eine Schlüsselkompetenz der heutigen Arbeitswelt. Positive Effekte erhoffen wir uns zudem für die Netzwerkbildung der Studierenden, da sie mit außeruniversitären Institutionen in Berührung kommen werden.

Unser Lehrprojekt verbindet darüber hinaus klassische Methoden der Wissensvermittlung mit digitalen Medien. Die TeilnehmerInnen werden unmittelbar an dem Entstehungsprozess einer App beteiligt sein. Dies wird neben ihrer Medienkompetenz insbesondere ihre Reflexion über die Umsetzung und Aufbereitung wissenschaftlicher Inhalte stärken.

Die Konzeption des Lehrprojektes ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Die Struktur der App erlaubt durch ihre Anpassungsfähigkeit, die Möglichkeit der Einspeisung neuer, in Folgeseminaren erarbeiteter Inhalte.